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Getreideernte 2013 wird aus heutiger Sicht überdurchschnittlich

Menge von 3 Mio. Tonnen prognostiziert, aber keine Rekordernte.
v.l. Franz Stefan Hautzinger  Gerhard Wlodkowski  Ernst Gauhs  Franz Windisch  Otto Auer © Bernhard Michal
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v.l. Franz Stefan Hautzinger, Gerhard Wlodkowski, Ernst Gauhs, Franz Windisch, Otto Auer © Bernhard Michal
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v.l. Franz Stefan Hautzinger, Gerhard Wlodkowski, Ernst Gauhs, Franz Windisch, Otto Auer © Bernhard Michal
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Das verheerende Hochwasser in weiten Teilen Österreichs, mit Schäden auf rund 22.000 ha landwirtschaftlicher Fläche im Ausmaß von EUR 20 Mio. sowie folgende Hagelunwetter in Regionen Niederösterreichs, dem Burgenland und der Steiermark - betroffen waren davon insgesamt 7.000 ha Obst-, Gemüse-, Wein- und Grünlandkulturen mit einem Gesamtschaden von EUR 5,7 Mio. -, haben der österreichischen Landwirtschaft im heurigen Jahr schon gehörig zugesetzt. Dennoch geht die Landwirtschaftskammer Österreich zum aktuellen Zeitpunkt von einer "überdurchschnittlichen Getreideernte" von mehr als 3 Mio. t aus. Ein Ergebnis, dass knapp 500.000 t über dem des Vorjahres liegt. "Die durch das lange und nasse Frühjahr beeinträchtigten Bestände haben sich ganz gut erholt", so LK Österreich-Präsident Gerhard Wlodkowski bei der gestrigen Pressefahrt nach Parndorf. Von einer Rekordernte sei aber nicht auszugehen, schränkt er ein. Bezüglich der Qualität wollte sich Wlodkowski nicht festlegen - hierfür sei das Wetter bis zur Ernte ausschlaggebend.

Niederösterreich rechnet mit deutlicher Ertragssteigerung bei Getreide

In Niederösterreich seien die Hochwasserschäden "nur" von regionaler Bedeutung für den Ackerbau, betonte Kammerrat Otto Auer. Insgesamt habe es eine Verschiebung der Anbaufläche von Durum sowie Winter- und Sommergerste in Richtung Soja und Raps gegeben. Aufgrund der ergiebigen Niederschläge geht Auer von einer Mengensteigerung beim Getreide im zweistelligen Bereich aus. "Das sollte die Lager im Gegensatz zum Vorjahr wieder füllen."

Burgenland: Plus von bis zu 13% gegenüber 2012 möglich

Der lange Winter und das kühle Frühjahr haben ebenso im Burgenland zu einem verspäteten Vegetationsstart und zu Anbauverschiebungen bei den frühen Sommergetreidearten (Sommerhartweizen und -gerste) zu Mais und Soja geführt. Auch mit der Wintergerstenernte, die um diese Jahreszeit üblicherweise bereits eingebracht ist, muss heuer noch zugewartet werden. "Eine späte Ernte ist meist eine gute", hofft Kammerpräsident Franz Stefan Hautzinger auf die Bewahrheitung dieses alten Spruches. Insgesamt rechnet er mit einer besseren Durchschnittsernte als im Vorjahr. "Das Plus gegenüber 2012 könnte durchaus bis zu 13% betragen, womit das Burgenland 10% der gesamtösterreichischen Getreideernte bereitstellen würde."

Windisch: Witterung bleibt bis zum Schluss ein großer Unsicherheitsfaktor

Gut entwickelt haben sich auch die Bestände in Wien, wie LK-Präsident Franz Windisch bestätigt. Daher sei von einer "recht guten Ernte" auszugehen, "aber nur, wenn wir sie sicher nach Hause bringen", schränkt auch er ein. Die Prognosen seien bis dato "viel besser" als im statistisch schlechten Erntejahr 2012, die Witterung bleibe aber bis zum letzten Tag ein großer Unsicherheitsfaktor, mahnt Windisch. Aufgrund der häufigen Niederschläge in den vergangenen Wochen sei auch ein erhöhter Pilzbefall und Krankheitsdruck (Rapsglanzkäfer, Rapsstängelrüssler, Getreidehähnchen) gegeben, bestätigten seine Kollegen.

Heuer hoher Krankheits- und Schädlingsdruck gegeben

"Hier ist die Professionalität der heimischen Landwirte nötig, um eine große Ernte mit guter Qualität ins Lager zu bringen", betonte auch Ernst Gauhs, Bereichsleiter Landwirtschaftliche Erzeugnisse der Raiffeisen Ware Austria. Gemeint ist damit ein umfassendes Pflanzenschutzmanagement, das in den vergangenen Wochen zentrales Diskussionsthema in der heimischen Politik und Medienlandschaft war. "Für sichere Erträge und die gute Lebensmittelqualität kommt die moderne Landwirtschaft um Pflanzenschutzmittel nicht herum", bringt es Präsident Wlodkowski auf den Punkt. In der Frage des Verbots von drei Neonicotinoiden seien daher die endgültigen wissenschaftlichen Untersuchungen abzuwarten. Er hoffe, dass die darauf basierenden politischen Entscheidungen in Österreich nicht strenger ausfallen, als im Rest Europas, denn das wäre für die heimische Landwirtschaft fatal.

Krankes oder geschädigtes Getreide sei im besten Falle noch thermisch zu nutzen, informierte Gauhs. 2012 sei der Anteil an befallenen Partien "praktisch null" gewesen. Und auch heuer rechne er trotz der feucht-warmen Witterung nur in Ausnahmefällen mit nicht entsprechenden Qualitäten, dafür gebe es eben Mittel, die die Pflanzen gesund halten.

Werden diese verboten, komme es so wie heuer auf 200 ha Zuckerrüben zu Kahlfraß durch Schädlinge, berichtet Windisch. Weitere Einschränkungen von Pflanzenschutzmitteln würden unweigerlich zu geringeren Erntemengen führen, während längerfristig die Nachfrage nach Lebensmitteln aus Indien und den Schwellenländern weiter steigen werde, ergänzt sein Kollege Hautzinger. Weniger selbstproduzierte Nahrung bedeute Import und eine damit einhergehende Unsicherheit hinsichtlich Herkunft und Qualität.

Die Politik werde auf diese Herausforderungen mit entsprechenden Maßnahmen für ausreichende, sichere und leistbare Lebensmittel reagieren müssen, sind sich die bäuerlichen Interessenvertreter einig. "Ohne Ausgleichszahlungen kann die Landwirtschaft nicht kostendeckend produzieren, daher ist eine starke Finanzierung für den Agrarsektor in all seinen Sparten notwendig", wird einhellig betont.

Politische Rahmenbedingungen müssen stimmen

Auch hinsichtlich der Reform der Gemeinsamen europäischen Agrarpolitik (GAP) hofft Wlodkowski auf eine Finalisierung der laufenden Verhandlungen noch während der irischen Ratspräsidentschaft. "Schließlich geht es darum, auch das österreichischen Programm fertigzustellen, damit es für unsere Bauern keine Unsicherheiten mehr gibt." Zu den offenen Hauptpunkten zählen die Anrechnung der ökologischen Vorleistungen der österreichischen Landwirte für die Greening-Auflagen, die Administration und die Frage des Budgets. "Ein Mehr an Auflagen und ein Minus an Ausgleichszahlungen sind ein Widerspruch", erteilt der Präsident weiteren Flexibilitäten beim Budget eine Absage. "Die Bauern haben das Recht auf planbare Bedingungen und einen kalkulierbaren Finanzrahmen. Unser Ziel ist eine flächendeckende, produzierende Landwirtschaft, die ihre ökologische Pflicht wahrnimmt."

Gauhs: Wir brauchen eine Rekordernte

Die Bauern hätten für dieses Jahr die Basis für eine sehr gute Ernte geschaffen, global gesehen sei eine Rekordernte auch dringend notwendig, erläuterte RWA-Experte Gauhs, denn aufgrund der verheerenden Dürre 2012 seien die Lager "gravierend" abgebaut worden, während man gleichzeitig einen Rekordverbrauch erwarte. "Nun müssen wir die Lagerbestände dringend wieder aufbauen." Gegen Ende Juni müssten diese zumindest zu 20% gefüllt sein, um mit der neuen Ernte den Bedarf decken zu können. Im Vorjahr sank dieser Richtwert auf 18%. "In Österreich ist der Lagerbestand kontinuierlich. Etwa zwei bis drei Monatsvermahlungsmengen Weizen sollten hier auf Lager liegen", so Gauhs.
18.06.2013
Autor:Mag. M. Wolf
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